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Gabelholme


Ölnebel am Gabelholm oder das Öl läuft schon am Gabelholm herunter:

Klarer Fall, die Gabeldichtringe sind hin. Durch die ständige Gleitbewegung und Reibung am Standrohr, an dem Schmutzteile wie Staub oder Insektenreste haften, sind die feinen Dichtlippen irgendwann so weit verschlissen, daß sie nicht mehr ihrer Bestimmung nachkommen können. Sie sind undicht, lassen das Gabelöl durch und müssen ausgetauscht werden. Hierzu müssen die Gabelholme ausgebaut werden, was bei verkleideten Motorrädern schon mal in Schrauberei ausarten kann, denn die Verkleidung muß runter, damit man an die Klemmungen der Gabelbrücken kommt. Gut hat's derjenige, der einen Frontständer mit Steuerrohraufnahme hat. Alle anderen müssen an geeigneter Stelle das Motorrad unterstützen, damit das Vorrad entlastet ist. Nun werden die Bremssättel, das Vorderrad und der Kotflügel abgebaut. Sind die Standrohrstopfen verschraubt, werden diese jetzt gelöst. Bowdenzüge, Brems- und Kupplungsleitungen sowie Kabel, die mit Kabelbindern oder Isolierband an den Standrohren befestigt sind, werden gelöst. Es wird gemessen und notiert, wie weit die Standrohre über die obere Gabelbrücke hinaus stehen.
Gabelholm
Jetzt können die Klemmungen für einen Gabelholm gelöst und der Gabelholm nach unten aus den Klemmfäusten der Gabelbrücken gezogen werden. Das Gleiche anschließend mit dem anderen Gabelholm.
Gabelholm
Jetzt können die vorher gelösten Standrohrstopfen herausgedreht werden. Aber Vorsicht ! Hier liegt die Federspannung der Gabelfeder drauf. Nachdem der Standrohrstopfen entfernt ist (manchmal ist hier auch noch das Gestänge für die Verstellung der Zugstufendämpfung eingebaut, in diesem Fall muß der Stopfen nach oben herausgezogen werden), wird die Gabelfeder vorsichtig nach oben heraus gezogen. Vorsichtig deshalb, damit man mit dem Gabelöl nicht zu sehr rumsaut. Jetzt wird das Gabelöl ausgegossen.

Stand - und Tauchrohr mehrmals zusammenschieben und auseinanderziehen (pumpen), damit das restliche Öl auslaufen kann. Der Gabelholm wird mit dem Tauchrohr in den Schraubstock gespannt

Lappen zwischenlegen) und die Befestigungsschraube der Dämpferkartusche heraus gedreht
Gabelholm
Dabei muß mit einem langen Spezialschlüssel in der Dämpferkartusche gegengehalten werden.
Gabelholm
Das Herausdrehen der Befestigungsschraube geht recht schwer, weil die Schraube eingedichtet ist. Die Dämpferkartusche wird jetzt aus dem Gabelholm genommen, die Staubkappe wird vorsichtig entfernt und der darunter liegende Sicherungsring heraus genommen. Nun werden Stand- und Tauchrohr mehrmals kräftig auseinander gezogen, damit die Gleit- und Dichtungsringe aus ihren Sitzen gezogen werden. Jetzt hat man endlich den Grund für die ganze Aktion in der Hand.
Gabelholm
So sieht ein fast komplett zerlegter Gabelholm aus von oben nach unten:

Standrohrstopfen, Tauchrohr, Gabelfeder, Standrohr, Dämpferkartusche, Staubkappe, Sicherungsring, neuer Dichtring, Gleitring, Scheibe, Anschlagfeder, Befestigungsschraube und Dichtung Nachdem alle Teile sauber gemacht oder gespült wurden, kann wieder zusammen gebaut werden. Das Stand- und das Tauchrohr werden ineinander geschoben und mit der Dämpferkartusche verschraubt. Die Gleit- und Dichtungsringe werden mit einem Spezialtreiber eingesetzt und der Sicherungsring wieder angebracht. Nun wird der Gabelholm ganz zusammengeschoben und neues Gabelöl eingefüllt. Meistens wird in den Handbüchern die Füllhöhe in "Ölniveau bis Oberkante Gabelrohr" angegeben. Also einfüllen, messen, einfüllen, messen... bis das Niveau stimmt. Die Luftkammer bis zur Oberkannte dient als zusätzliche Feder. Jetzt wird der Gabelholm ganz auseinander gezogen und die Gabelfeder eingesetzt. Der Standrohrstopfen wird angesetzt und fest geschraubt. Hierbei ist Sorgfalt und Kraft gefordert, weil der Stopfen aus Aluminium ist, Feingewinde hat und gegen die Gabelfeder gedrückt werden muß. Sind diese Arbeitsgänge mit beiden Gabelholmen erledigt, können sie wieder eingebaut werden. Der Gabelholm wird in die untere und obere Gabelbrücke eingeschoben, bis er den zu Anfang gemessenen Überstand hat. Die Klemmungen handfest ziehen und den zweiten Gabelholm einsetzen. Gabelholme ausrichten und mit dem vorgeschriebenen Drehmoment festziehen. Jetzt nicht vergessen, die Standrohrstopfen fest zu ziehen! Kotflügel, Vorderrad und Bremssättel anbauen, mehrmals die Gabel durchfedern um sicher zu stellen, daß nichts klemmt.... fertig !
Fotos: Reiner Sprenger

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