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Schwimmerstand beim Vergaser einstellen

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Wer den Schwimmerstand nach den Angaben in der Reparaturanleitung aus dem Motorbuchverlag einstellt, hat sich unwissentlich einen kapitalen Bock geschossen. Die Zeichnung in der Anleitung zeigt den Vergaser um 180° gedreht (also auf dem Kopf stehend, siehe untenstehendes Bild) und abgenommener Schwimmerkammer. Dazu gibt es eine Maßangabe, welche die Höhe des Schwimmerniveaus angibt. Stellt man nun den Schwimmer gemäß dieser Zeichnung auf das Maß ein, bekommt man ein zu niedriges Schwimmerniveau. Abgesehen davon, fehlen auch noch die Angaben bzgl. der Meßpunkte, ob nun von der Dichtfläche oder vom Bund zu messen ist, oder ob mit oder ohne Dichtung gemessen wird. Der Fehler liegt hier darin, daß ohne Prüfung abgeschrieben (übersetzt) wurde. Die Reparaturanleitung ist eine Übersetzung des englischen Haynes Manuals und in diesem ist der gleiche Fehler enthalten. Haynes lag anscheinend das Suzuki Vergaserhandbuch nicht vor oder man hat es einfach nicht richtig gelesen.

Um zu sehen, wo nun eigentlich der Fehler liegt, muß man sich fragen, wozu so ein Schwimmer eigentlich gut ist. Er soll ein konstantes Benzinniveau in der Schwimmerkammer sicherstellen. Dies geschieht durch ein permanentes Öffnen und Schließen des Schwimmernadelventils. Wäre nun diese Ventilnadel einteilig und starr (es gibt Vergaser, die solche Nadeln haben) würde die Zeichnung stimmen und alles wäre gut, da das Ventil geschlossen ist, wenn der Schwimmer auf der Ventilnadel aufliegt. In unserem Fall ist aber das Nadelventil nicht einteilig und starr, sondern es besitzt einen federnd gelagerten Stift, der etwaige Stöße und Vibrationen kompensieren soll. Die Federkraft ist in der Normalbewegung groß genug, daß, wenn sich der Schwimmer hebt und gegen die Ventilnadel drückt, um sie nach oben zu bewegen, der Stift nur minimal in die Ventilnadel einfedert. Das bedeutet, bis die Ventilnadel gegen den Sitz drückt, verändert sich die Länge der Ventilnadel nicht.

D = Schwimmerstand (Schwimmerzunge soll gerade soeben den federbelasteten Stift auf dem Nadelventil berühren)

















D = Schwimmerstand (Schwimmerzunge soll gerade soeben den federbelasteten Stift auf dem Nadelventil berühren)

Die ausgefederte Länge ist somit das Maß für die Niveaueinstellung, da das Benzinniveau in der Kammer nicht mehr ansteigt, wenn das Ventil schließt. Dreht man aber nun den Vergaser auf den Kopf, liegt die Nadel schon allein durch ihr Eigengewicht auf dem Sitz auf, und das Gewicht des Schwimmers drückt nun den Stift in die Ventilnadel, da nicht wie in der Normalposition das Schließen des Ventils den Anstieg des Drucks auf die Ventilnadel unterbricht.

Mißt man nun die Höhe der Oberkante des Schwimmers zum Vergasergehäuse, ist der Wert natürlich zu niedrig, da die in der Ventilnadel verschwundenen Millimeter des Stifts fehlen. Also biegt man die Zunge am Schwimmer nach unten, um die Oberkante des Schwimmers wieder auf den gewünschten Abstand zu bekommen. Im normalen Einbauzustand schließt nun der Schwimmer das Schwimmernadelventil um dieses Stück früher, sprich in Millimetern Federweg des Stiftes. Das ergibt ein zu niedriges Benzinniveau, dies führt wiederum zu einem mageren Gemisch und ein Loch im Kolben ist vorprogrammiert.

Im Suzuki Vergaserhandbuch ist das Bild um 90° gedreht, sodaß der Schwimmer an seiner Aufhängung senkrecht nach unten hängt. Dann drehe man den Vergaser um weitere ca. 30°, bis der Schwimmer leicht auf dem Stift der Ventilnadel aufliegt. In dieser Position ist zu messen. Des Weiteren wird angegeben, daß ohne Dichtung und von der Dichtfläche aus zu messen ist.

Wenn man also nur die Zeichnung übernimmt und den begleitenden Text wegläßt, führt dies zu den anfangs beschriebenen Ergebnissen. Ich möchte nicht wissen, wie viele Hobby- und auch Profi-Schrauber hierauf schon reingefallen sind, und wie viele Kolben und Zylinder deshalb ein vorzeitiges Ende nahmen. Bösen Gerüchten nach sollen große Summen seitens der Viertaktlobby geflossen sein, damit durch Weglassen dieser Information der Ruf des Zweitakters ruiniert wurde.

Vielen Dank an den Author, Mario Fockenbrock für die Freigabe zur Veröffentlichung auf unserer Homepage

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